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Basische Körperpflege
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Anmeldedatum: 10.10.2006
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BeitragVerfasst am: 10.10.2006, 16:03    Titel: Basische Körperpflege

Lange Zeit galt die Aussage, pH-neutral bzw. pH 5,5 als positive Werbeaussage eines Kosmetikproduktes. Im Gegensatz zu Seifen, welche einen hohen pH-Wert von ca. 9 haben, konnten seifenfrei Körperreinigungsprodukte wie Shampoos und Duschbäder auch mit sauren pH-Werten formuliert werden. In der Dermatologie war schon lange bekannt, dass die gesunde Haut nach dem Waschen mit alkalischer Seife nach ca. einer halben Stunde ihren pH-Wert wieder auf ca. 5,5 reduziert, um sich vor krankmachenden Bakterien und Pilzen zu schützen. Dieser Effekt der Haut ist als Säureschutzmantel hinreichend bekannt. Nun sollte man meinen, dass mit dem Anpassen der Kosmetika an den hauteigenen pH-Wert dieses Thema ausgereizt und eine weitere Verbesserung bezüglich Hautpflege und Verträglichkeit, zumindest über den pH-Wert eines Produktes, nicht mehr möglich ist.

Es ist jedoch auch kein Geheimnis, dass die Kosmetikbranche starken Modeströmungen unterworfen ist. Eine dieser Strömungen ist der Trend zu alkalischen bzw. basischen Körperpflegemitteln. Manchen Dermatologen mag dies wie der Weg in die „kosmetische Steinzeit“ anmuten, als es noch keine pH-neutralen Kosmetika gab und es der guten alten Seife vorbehalten war, unseren hauteigenen Säureschutzmantel zu malträtieren. Aber versuchen wir einmal, die Idee einer basischen Körperpflege etwas genauer und ohne Vorurteile zu betrachten.

Ist die Verwendung basischer Körperpflegeprodukte überhaupt sinnvoll, wenn sich doch die Haut im sauren Bereich eindeutig wohler fühlt? (Studien 1-12) Die Antwort ist ein klares „Jein“. Tatsächlich führen unsere modernen Lebens- und Ernährungsweisen bei vielen Menschen zu einer Übersäuerung des Bindegewebes, welcher mit basisch wirkenden Nahrungsmitteln bzw. Nahrungsmittelergänzungen teilweise entgegengesteuert werden kann. Unqualifizierte Behauptungen, wie etwa “Krebs wachse nur im sauren Milieu“, führen zur Milchmädchenrechnung: „Basisch ist gut, sauer ist schlecht“. Doch der menschliche Körper funktioniert wesentlich komplexer. So sind Mageninhalt und Dickdarm bei gesunden Menschen aus gutem Grund stark sauer. Säuren wirken nämlich antibakteriell und schützen vor krebsverursachenden Bakterien. Auch die ungeliebten Darmpilze gedeihen wesentlich besser im (durch Darmdysbiosen begünstigten) alkalischen Darmmilieu und die hochgelobten probiotischen Bakterien sind deswegen so gesund, weil sie im Idealfall im Darm gehörige Mengen an Milchsäure, Essigsäure, Buttersäure, Probionsäure etc. produzieren.

Selbst im Bereich der Ernährung lassen sich keine vereinfachten Schlussfolgerungen ziehen. So wirkt der süß schmeckende Zucker säurebildend, während saures Obst als besonders basenreich gilt. Organische Fruchtsäuren werden nämlich vom Körper basisch verstoffwechselt: Die Fruchtsäuren zerfallen in Kohlensäure, welche vom Körper ausgeschieden (ausgeatmet) wird, wobei die verbleibenden Basen dem Körper zur Verfügung stehen. So gesehen sind Säuren in weiten Bereichen für den Körper lebensnotwendig.


Basische Körperpflege - Ja oder Nein?

Doch nun wieder zurück zur Haut. Das Konzept der „basischen Körperpflege“ basiert auf dem Gedanken, über die Haut ausgeschiedene saure Stoffwechselprodukte zu neutralisieren und somit die Haut von Stoffwechselschlacken zu befreien. Dies ist für eine kurzfristige, therapeutische Anwendung etwa im Rahmen eines Basenbades oder einer basischen Ganzkörperpackung durchwegs sinnvoll. Bei einer durchschnittlichen Einwirkungsdauer von 30 Minuten bis zu mehreren Stunden kann davon ausgegangen werden, dass sich mit solchen Anwendungen Stoffwechselschlacken mobilisieren und teilweise ausleiten bzw. neutralisieren lassen. Im Anschluss an solche Behandlungen sollte aber der hauteigene saure pH-Wert von ca. 5,5 mittels haut-pH-neutraler Pflegemittel wiederhergestellt werden.

Eine Verwendung von basischen Dusch- und Waschpräparaten (Rins-off Produkten) ist nicht ratsam, da die kurze Verweildauer auf der Haut nicht ausreicht, um die gewünschten Stoffwechseleffekte zu erzielen, sehrwohl aber wird der hauteigene Säureschutzmantel angegriffen. Basische „Leave-on-“, bzw. Endpflegeprodukte, wie etwa Gesichtscremes und Körperlotionen, sind ungeeignet, da eine dauerhafte Verschiebung des Haut-pH-Wertes in den alkalischen Bereich schwerwiegende Erkrankungen der Haut nach sich ziehen können. So steht das messbare Neutralisationsvermögen der Haut für alkalische Reizstoffe wie Seifen etc. in direktem Zusammenhang zu deren Regenerationsfähigkeit und Widerstandskraft gegenüber schädigenden Umwelteinflüssen. Ausserdem sind die meisten Vitamine, Eiweißstoffe und Pflegestoffe nur im neutralen bis leicht sauren Bereich stabil und würden sich in basischen Pflegeprodukten langsam durch Hydrolyse zersetzen.

Zusammenfassend kann ruhigen Gewissens gesagt werden:
„Gesunde Haut ist sauer“ und sollte dementsprechend mit sauren Pflegeprodukten gepflegt werden. Die kurzfristige, therapeutische Anwendung basischer Bäder, Wickel oder Packungen unterstützt den Hautstoffwechsel und ist, im Gegensatz zu basischen Reinigungs- und Hautpflegeprodukten, positiv zu bewerten.

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Studien und Quellennachweise:

- Skin surface pH: A protective acid mantle.
G. Yosipovitch, H. I. Maibach, in CosmeticsToiletries magazine 111 (12) 101, 1996
- Das Säuremantelkonzept von Marchonini und die Beeinflussung der Resident-Flora der Haut durch Waschungen in Abhängigkeit vom pH-Wert.
H. C. Korting, in O. Braun-Falco, 93-103, 1990
- Barrier recovery is impeded at neutral pH, independent of ionic effects: implications for extracellular lipid processing.
T. Mauro, W. M. Halloran, Set.al., Arch.Dermatol.Res. 290, 215-222, 1998
- Einfluss des pH-Wertes von Kosmetika.
M. Arens-Corell, Kosmetische Praxis 2, 12-14, 1998
- Einfluss des pH-Wertes auf das Wachstum von Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus aureus und Propi-onibacterium acnes in kontinuierlicher Kultur. Korting et al., in Zbl. Hyg. 193, 78-90, 1992
- Aufbau der menschlichen Haut und Beeinflussung des Keratinozytenwachstums durch Milieufaktoren wie der pH-Wert - Ergebnisse der Zellkultur.
R. Soehnchen, in O. Braun-Falco, H. C. Korting (Hrsg.), 115-122, 1990
- Das Konzept des Säuremantels der Haut: seine Bedeutung für die Wahl des Hautreinigungsmittels. M.-H. Schmid, H. C. Korting, in Dermatology, 191: 276-280,1995
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