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Anmeldedatum: 10.10.2006 Beiträge: 41
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Verfasst am: 10.10.2006, 16:09 Titel: Essen im Alter |
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Die Bevölkerung ergraut – der vielzitierte „demografische Wandel“ ist nicht mehr zu übersehen. Heute leben rund 20 Millionen Menschen in Deutschland, die das 60. Lebensjahr überschritten haben. Das entspricht einem Anteil von rund 25 Prozent. In 30 Jahren wird die Quote auf 35 Prozent gewachsen sein. Jeder Dritte in unserer Gesellschaft zählt dann zu den Senioren. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung alter Menschen von Jahr zu Jahr. Bis 2030 wird sich die Zahl der über 80-jährigen von heute 3,6 Prozent auf 7,4 Prozent mehr als verdoppeln. Sogar eine Vervierfachung ist im gleichen Zeitraum mit Blick auf die über 100-Jährigen zu erwarten. Deren Zahl steigt von ca. 10.000 Hochbetagten heute auf 44.000 in 2025, und in 2050 werden sogar mehr als 100.000 Hundertjährige erwartet.
Welche Belastungen die Überalterung für das Sozialversicherungssystem der Bundesrepublik Deutschland erzeugt, ist in der Vergangenheit immer wieder diskutiert worden. Fakt ist: In einer Gesellschaft, die immer älter wird, wird auch das Thema Ernährung im Alter immer bedeutender. Eine gesunde Ernährung ist die Grundvoraussetzung für Vitalität im Alter. Doch wie ist die heutige Ernährungssituation von Seniorinnen und Senioren in Deutschland - egal ob zu Hause oder im Heim lebend – zu bewerten, wo liegen Defizite und Lösungsansätze? Welche Probleme haben sich eigenständig versorgende Senioren, sowohl beim Kauf als auch bei der Zubereitung?
Wie ist die Qualität der Verpflegung in Heimen oder Krankenhäusern, wie bei der ambulanten Versorgung? Realität ist, dass es in Deutschland - mitten im Schlaraffenland voller Ladentheken - eine große Zahl von Seniorinnen und Senioren gibt, die untergewichtig und ausgetrocknet sind, weil sie seit Jahren zu wenig essen und zu wenig trinken. Eine der Ursachen ist die zunehmende Appetitlosigkeit älterer Menschen. Das hat zunächst einmal biologische Gründe: Das Gehirn kann Hunger und Durst nicht mehr richtig deuten, außerdem funktionieren die Enzyme in Magen und Darm nur noch eingeschränkt. Hinzu kommen Kau- und Schluckbeschwerden, Prothesen, die nicht richtig sitzen und die betroffene Senioren zu Tütensuppen und Puddingpulver greifen lassen.
Wichtige Nährstoffe wie Eiweiß, Vitamine und Minerale bleiben bei diesen „Puddingvegetariern“ auf der Strecke. Multimorbidität ist ein großes Risiko für Mangelernährung, sagen die Experten zu diesem Phänomen. Je älter die Menschen werden, desto weiter verbreitet ist die Mangel- bzw. Unterernährung in der Gruppe der Senioren.
Doch es sind nicht nur medizinische Gründe, die hier eine negative Rolle spielen, sondern auch soziale und gesellschaftliche Faktoren. Da ist die Einsamkeit der alternden Menschen, die den Appetit verdirbt. Da ist die ungewohnte Atmosphäre im Speisesaal und das als fremd empfundene Essen der Großküchen und Menübringdienste. Hinzu kommt die mangelhafte Aufmerksamkeit der Ärzte, Pflegekräfte und selbst der betreuenden Angehörigen. Immer wieder muss der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen bei seinen Kontrollgängen durch Alten- und Pflegheime feststellen, dass keinerlei Ernährungs- und Trinkprotokolle geführt werden, sogar eine regelmäßige Gewichtskontrolle der alten Menschen wird häufig außer Acht gelassen. Dabei würde ein kritischer Blick auf die Waage den Mangel sofort vor Augen führen.
Mangelernährung ist bei den meisten Senioren erst in späteren Jahren im Alter jenseits von 70 relevant, denn erst dann kommen die großen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und – im Gefolge zunehmender Gebrechen – die Appetitlosigkeit.
„Junge Senioren“, die ihren Lebensabend in vollen Zügen genießen, haben dagegen ganz andere Sorgen: 20 Prozent der rüstigen Rentner kämpfen gegen Übergewicht, weil sie in dieser Lebensphase noch zu viele Pfunde auf die Waage bringen. Das Bild, das die Gruppe der Senioren mit Blick auf ihren Ernährungsstatus abgibt, ist also überaus heterogen: Übergewicht und Mangel liegen dicht beieinander.
Mehr als zwei Drittel der multimorbiden und deshalb pflegebedürftigen Senioren lebt zu Hause, das heißt, Mangelernährung ist nicht allein ein Problem der Alten-und Pflegeheime. Knapp zehn Prozent der daheim lebenden Seniorinnen und Senioren sind untergewichtig, so das Ergebnis der Paderborner Seniorenstudie aus dem Jahre 2002. In Heimen liegen bisweilen 40 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrem Körpergewicht unterhalb des Normbereichs. In geriatrischen Einrichtungen, in denen hochbetagte Patienten aufgrund ihrer zahlreichen Erkrankungen behandelt werden, sind sogar 60 Prozent mangelernährt. Der Preis ist hoch – insbesondere für die Betroffenen, aber auch für die Solidargemeinschaft. Chronische Mangelernährung löst ihrerseits eine Vielzahl von Erkrankungen aus, von Dekubitus bis Demenz, und auch das Risiko, vorzeitig zu sterben, ist deutlich erhöht.
Verbesserungsvorschläge gibt es viele. Für Seniorinnen und Senioren, die sich daheim versorgen, ist es beispielsweise wichtig, dass sie das Essen auch zubereiten können. Eine Umfrage der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) aber ergab, dass alte Menschen immer wieder Probleme beim Öffnen von Dosen, Tüten und Glaskonserven haben. Andere Senioren können das Haltbarkeitsdatum nicht lesen, weil die Schrift zu klein oder der entsprechende Aufdruck unauffindbar ist. An dieser Stelle ist die Nahrungsmittelindustrie dringend gefordert, Abhilfe zu schaffen und die Belange der Senioren mehr zu berücksichtigen.
Ein weiterer Punkt betrifft die Zusammensetzung der Speisen. Zwar entwickelte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Referenzwerte für die Nährstoffzusammensetzung für Seniorenspeisen, doch sind diese Empfehlungen für die Lebensmittelhersteller und Heimköche keineswegs verbindlich. Jeder darf gewissermaßen „sein eigenes Süppchen“ kochen, und vielfach fällt das kulinarische Arrangement vor dem Hintergrund knapper Pflegesätze nicht gerade üppig aus. „Ein undefinierbarer, farbloser Einheitsbrei darf nicht länger die Mahlzeit sein, womit diese Patienten in Institutionen täglich versorgt werden“, kritisierten Köche auf der ersten deutschen Heimkochtagung vergangenes Jahr in Aachen. Pflegekräfte, Krankenschwestern und Ärzte sollten der Mangelernährung mehr Aufmerksamkeit schenken, meint der Europarat und möchte EU-weite Regelungen erreichen, damit in der Ausbildung aller medizinischen Berufsgruppen künftig mehr Ernährungsaspekte vermittelt werden.
Das Risiko von Mangelernährung hat auch eine soziale Dimension. Wer wenig Euros in der Tasche hat, ist in viel höherem Maße gefährdet. In der sogenannten „Hilfe zum Lebensunterhalt“, die je nach Bundesland einen Regelsatz zwischen 282 und 297 Euro im Monat an die Sozialhilfeempfänger auszahlt, sind pauschal 50 Prozent für die Ernährung enthalten: im Durchschnitt 4,95 Euro täglich. Doch für 4,50 bis 7.99 Euro ist gerade einmal eine Portion „Essen auf Rädern“ zu bekommen.
Insgesamt positiv zu bewerten sind vielfältige Initiativen, die auf eine Verbesserung der Ernährungssituation älterer Menschen abzielen. Zum Beispiel wurden auf der „Ersten Deutschen Heimkochtagung“ neue und kreative Verpflegungskonzepte wie „Fingerfood“ und „Eat by walking“ vorgestellt mit dem Ziel, die Eigenständigkeit von Heimbewohnern möglichst lange zu bewahren. Im September 2003 startete das Bundesverbraucherschutzministerium mit „Fit im Alter – gesund essen, besser leben“ eine Kampagne zur Seniorenernährung. Verbraucherzentralen bieten in diesem Zusammenhang ein Einkaufstraining für Senioren an. Diese und andere Aktivitäten geben Hoffnung, dass man dem Thema Mangelernährung, mitten im Schlaraffenland, auch in einer immer älter werdenden Gesellschaft, wirkungsvoll begegnen kann.
RINGANA empfiehlt besonders Senioren die RINGANA WELLNESSPACKS und WELLNESSCAPS.
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Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) |
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